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Blick auf das Station von Oben, Kapstadt

Auf Schienen durch das Südliche Afrika – eine wirklich besondere Reise

Flug nach Doha – Übernachtung – Flug nach Dar Es Salaam – alles ziemlich normal für eine grössere Auslandsreise. Aber dann: Gepäck wird schon im Hotel eingesammelt und zum Zug transportiert, damit hat man keine Mühe mehr. Das nächste Mal sieht man seine Koffer in der Kabine an Bord des ‚Pride of Africa‘. Mit dem Auto durch die Stadt zur Tazara Station, einst von den Chinesen erbaut für ihre Tazara Zugstrecke zu den Kupfervorkommen in Sambia, heute nur noch zweimal die Woche für Personenzüge benutzt – und für die Rovos Züge!

Auf dem Bahnsteig eine afrikanische Liveband, Sekt und Begrüssungsansprache von der Train Managerin, mit ein paar grundsätzlichen Informationen, Verteilung der Kabinen, begleitet von der Serviceverantwortlichen für den Waggon, und dann geht es los.

In den nächsten 15 Tagen werden wir 12 Nächte an Bord des Zuges, eine an den Victoriafällen und zwei im Wildreservat Madikwe verbringen. Zunächst fasziniert einfach die vorbeiziehende Landschaft Tansanias, und da der Zug schon auf Grund des Zustandes der Gleise nicht schnell fahren kann, genießen wir den gemächlichen Wechsel von Busch, Dörfern, Äckern, und immer wieder die Grüsse der Menschen, die dem Zug zuwinken. Es entsteht eine eigenartig gelassene Stimmung.

Die Mahlzeiten in den beiden Speisewagen sind eins der Highlights – ein vielseitiges Frühstücksangebot und zwei 4-Gänge-Menüs jeden Tag, von gleichbleibend hoher Qualität, tragen dazu bei, dass man sich verwöhnt und umsorgt fühlt, trotz des durchaus fremdartigen Landes, das man durchfährt.

Wer nicht gern einfach stundenlang aus dem Fenster sieht hat Gelegenheit, sich zu beschäftigen: tägliche Vorträge im Loungewaggon, von den mitreisenden beiden Wissenschaftlern, einem Historiker und einem Geologen, ermöglichen es, sich mit den durchfahrenen Landschaften näher vertraut zu machen, und man kann aus der Lounge wie aus dem Aussichtswagen bei Getränk und Gespräch Zeit verbringen.

Dazwischen einige Stops: ein Ausflug zu Fuß auf einen kleinen Markt, wo man das bunte, lebhafte Afrika kennen lernen kann, eine Busfahrt zu den Chisimafällen, begleitet von der Mobilen Rovos-Bar, die für Getränke und Ruheplätze sorgt, eine Safarifahrt in den Selous Wildpark, der sehr viele Tiere erleben lässt, eine Fahrt zu einer Rinderfarm, wo man die eindrucksvollen Brahmanrinder kennen lernt, die ideal für die klimatischen Verhältnisse des südlichen Afrika geeignet sind. Die Mischung stimmt zwischen Aktivität und Kontemplation.
Schließlich erreichen wir Livingstone und die Brücke über den Sambesi, von der die mutigen am Gummiseil hinunterspringen können. Der Zug hält direkt auf der Brücke, man sieht die Nebelwolke der Fälle aufsteigen und kann zu Fuß in ihren Regenwald gehen und die Naturgewalt bestaunen. Etwas anstrengend aber nicht zu verpassen ! Und da man aus den Vorträgen schon mehr darüber weiß, besonders eindrucksvoll.

Nächster Halt: Victoria Falls

Wenige Meter weiter hält der Zug direkt am Victoria Falls Hotel, einem authentisch erhaltenen Bau aus einer vergangenen Zeit, der seinen ganzen Charme behalten hat und den Gast durch viktorianisch anmutende Räume und erstklassigen Service gleichermaßen umgarnt. Auf dem Rasen hinter dem Haus riesige alte Bäume, und der Blick wieder auf die Wolke der Viktoriafälle – und auf die Brücke, von der man gerade erst kam.

Das Programm sieht eine Sunset Cruise vor. Wie auch am Bahnhof beim Empfang spielt am Ufer die afrikanische Kombo und stimmt ein auf das, was kommt – das Boot legt ab, ein paar Snacks und Getränke stehen wieder zur Verfügung, aber man ist bald gefangen vom Fluss und dem Leben darauf und darin. Der Motor ist leise, man kann jeden Blick in Ruhe genießen, die Kamera macht Überstunden – man kennt das Klischee und ist doch von den Bildern gefangen.

Am Morgen gehen wir zu Fuß zu den Fällen, wieder der Regenwald, der von ihrem zerstäubten Wasser lebt. Den Gesamteindruck bekommt man nur von oben, viele machen den Hubschrauberflug, uns ist das zu laut – der Fußweg und die Teilansichten, die er bietet, lohnen sich und sind eindrucksvoller.

Auf Pirschfahrt im Madikwe Wildreservat

Nachmittags geht es wieder in den Zug, die Band spielt zum Abschied, und wir rollen weiter. Noch im Bahnhof erobern Affen das Zugdach und schwingen sich von dort in die Bäume, wir sehen ihnen zu bis zur Abfahrt. Auf der Brücke über den Sambesi sind wir von Sambia nach Zimbabwe gewechselt, nun geht es weiter durch Zimbabwe bis wir für die zweitägige Fahrtunterbrechung die Busse besteigen und zum Madikwe Wildreservat fahren, das bereits in Südafrika liegt, unterwegs passieren wir die Grenze. Am Eingang des Parks erwarten uns die Ranger mit den grossen Safariautos, und schon auf der Fahrt zur Lodge bekommen wir einen Vorgeschmack vom Wildreichtum des Reservats. Spätestens jetzt versteht man, warum vier Pirschfahrten geplant sind: es gibt so viel zu sehen !

Die Lodge ist ideal, das alles zu geniessen, die Terasse erlaubt immer den Blick auf Tiere am Wasser, jedes Zimmer hat seinen eigenen Balkon, von dem man auf den selben Stausee blickt. Aber die Pirschfahrten unter kundiger Führung der Ranger bleiben die beste Option, man lernt sovieles kennen, das man selbst noch nicht einmal wahrgenommen hätte, eine ungemeine Fülle von Eindrücken und Bildern überwältigt.

Ja, wir wären noch in Madikwe geblieben – aber der Zug wartet, und nach zwei Übernachtungen und vier Pirschfahrten geht es zurück in die Kabine und auf die letzten Etappen. Der verlassene Bahnhof in Zeerust, den nur noch Rovos benutzt, ein paar Mal im Jahr, strahlt einen ganz speziellen nostalgischen Charme aus – das fördert das etwas entrückte Gefühl, das man auf der Lodge gewonnen hat.

Kultur-Programm in Pretoria

Als nächstes erreichen wir Pretoria, wo wir den Rovos-eigenen Bahnhof kennenlernen – ein ähnlich verwunschenes Gebäude wie in Zeerust, aber bestens in Schuss, schön und effizient. Ein Ausflug in die Stadt, mit Stop am Vortrekker-Memorial – seltsames Ding auf dem Hügel, die Architektur erweckt ein beklommenes Gefühl, man hat ähnliches schon gesehen und sieht einen unerfreulichen Zusammenhang mit all dem, das man mit der Apartheid verbindet.

Mittagessen auf dem Bahnsteig im Beisein einer schönen alten Lok, ein Gang durch das Reparaturwerk ist möglich.

Wir genießen den Sonnenschein auf dem Bahnsteig, bewundern die verschiedenen Tiere, die zur ‚Mannschaft‘ gehören. Es geht weiter.

Next Stop: Kimberly

Am nächsten Tag stoppen wir noch in Kimberley, um einen Blick in den riesigen wassergefüllten Kessel der alten Diamantenmine zu werfen. Die Landschaft ändert sich langsam, und am nächsten und letzten Tag halten wir in Matjiesfontein, einem verschlafenen aber sehr hübschen Nest mitten in der trockenen Karoo-Halbwüste. Pfefferbäume stehen an der Hauptstraße und beeindrucken durch den Duft der zerdrückten Beeren.

Gegen Abend erreicht der Zug die Abhänge zum Meer, fährt den Hex River Pass hinunter, und planmäßig erreicht er den Bahnhof in Kapstadt. Mr. Vos persönlich begrüsst die Gäste. Wir finden den Fahrer unseres Hotels und das Abenteuer Rovos Rail – Dar Es Salaam to Cape Town ist vorbei.

Es war eine ungewöhnliche und außergewöhnliche Reise, von höchstem Komfort, bis auf den Einfluss der afrikanischen Eisenbahnschienen natürlich, von großem Lernpotential in vielerlei Hinsicht, mit großen Eindrücken und Erlebnissen.

Kapstadt in drei Tagen

Uns bleiben noch drei Tage in Kapstadt, die wir mit Herbert, unserem Guide, sehr entspannt und interessant verbringen, all die Landmarken bekommen wir zu sehen, sogar der Tafelberg hat ein paar Stunden den Kopf frei und erlaubt uns die Seilbahnfahrt hinauf und den Blick nach unten, wir sehen das Kap der Guten Hoffnung, die ‚afrikanischen‘ Pinguine, die Küstenorte und die Weingüter Südafrikas. Das eindrucksvollste Erlebnis war sicher der Besuch im District Six Museum – hier werden die Zeugnisse eines Viertels bewahrt, das von der weißen Apartheidsregierung eines Tages für die Weißen begehrt und geräumt wurde, Lebensmittelpunkte und Familienverbände, Geschäfte und Lebensweisen wurden erbarmungslos gesprengt, zugleich mit den Häusern. Die Erklärungen im Museum werden von ehemaligen Bewohnern des Viertels gegeben, die einst weichen mussten, und es packt einen immer noch der Horror dieses Vorgehens.

Erstaunlich für uns: Weiße wie Schwarze und Farbige scheinen heute damit abgeschlossen zu haben, was vor dem Umbruch war. Wir haben mehrfach gehört: Südafrika hat ganz andere Probleme, Rassenprobleme sind nur noch ein Relikt von früher, eigentlich ist das heute nicht mehr relevant.

Man weiß als Fremder nicht, in wie weit das stimmen kann, aber es gibt auf eigenartige Weise Hoffnung.

Als wir Sonntags morgens kurz nach sieben in Frankfurt landen sind wir noch lange nicht wieder angekommen….


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