Südafrikanischer Krieger mit Fernglas

Ethnien in Südafrika

Die wichtigsten Ethnien Südafrikas sind die San, Zulu, Xhosa, Sotho und Ndebele

Das heutige Südafrika ist ein multiethnischer Staat in welchem die Zulu mit 28,6 % neben den Xhosa (23,0 %) und den Sotho (20,4 %) die stärkste Bevölkerungsgruppe darstellen. Nachfolgend werden verschiedene Ethnien Südafrikas kurz vorgestellt, mit denen Sie auf Ihrer Südafrika Reise in Berührung kommen könnten.

Die „San“ – Jäger und Sammler Südafrikas

San ist die Sammelbezeichnung für die Khoi – früher auch Khoikhoi, Hottentotten oder Buschmänner genannt. Zu den San gehören bis zu 30 lokale Gruppen, deren Hauptverbreitungsgebiete sich in Namibia, Botswana und Südafrika befinden. Nach Erkenntnissen moderner humangenetischer Forschung, gehören die Vorfahren der heutigen San zur Urbevölkerung des südlichen Afrika und haben, vom linguistischen sowie kulturanthropologischen Standpunkt aus, eine besondere Bedeutung. Zur Historie der San gehören ihre Fels- und Höhlenzeichnungen, welche ebenso alt sind wie die ältesten Höhlenmalereien Westeuropas (zw. 25.000 bis 30.000 Jahren v. Chr.).

KwaZulu Natal und die „Zulu“

Die Zulu bewohnen hauptsächlich die Region KwaZulu-Natal im Südosten des Landes. Zulu waren Clangruppen, die zum Volk der Nguni gehörten. Der Gründervater der heutigen Zulu – König Shaka Zulu – formte 1815 eine gewaltige Armee aus nördlichen Nguni–Gruppen (Zulu, Mthethwa, Ndwandwe und Qwabe), um mit diesen gegen die britische Herrschaft und die Landnahme der Buren zu kämpfen. Die sich so formierten Zulu konnten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Briten erobert werden. Der Stolz und die Tradition der Zulu gehen auf diese langwierigen und stets kriegerischen Auseinandersetzungen zurück. Ihre Identität wird deshalb auch durch ihre kulturellen Waffen symbolisiert:

  • der Speer (assegai),
  • die Keule (knobkerri) und
  • das mit Kuhhaut überzogene Schild (iziHlangu).

Mehr als die Hälfte der Zulu sind heute Christen. Viele haben ihren traditionellen Glauben mit dem des Christentums vermischt und praktizieren diesen in speziellen Zulu-Kirchen. Nur ganz wenige haben ihren traditionellen Glauben beibehalten und üben diesen noch aus. Der Reichtum der Zulu wurde traditionell an der Anzahl ihrer Kühe gemessen, da diese die Grundvoraussetzungen für Leben und Überleben besaßen: Fleisch, Milch und Fell. Noch heute sind viele Zulu, insbesondere in ländlichen Gebieten, von der Landwirtschaft abhängig. Viele von ihnen sind arm. Für einen Zuverdienst überqueren sie Landesgrenzen und nehmen Gelegenheitsarbeiten an.

Die Inkatha Freedom Party ist der politische Zusammenschluss der Zulu. Die Partei entstand Mitte der 1970er Jahre und repräsentiert seit ihrer Gründung eine konservative Politik – im Gegensatz zum sozialistisch-humanistischen ANC, welcher vor allem von den Xhosa unterstützt wird. Die politischen Kämpfe zwischen den beiden Seiten kosteten in den Endjahren der Apartheid mehreren Tausend Menschen das Leben. Erst dem Wahlerfolg Nelson Mandelas und seiner integrativen Kraft ist es zu verdanken, dass heute beide Seiten friedlich miteinander kooperieren.

Bis heute leben die Zulu, wenn auch mit Unterbrechungen in der Kolonialzeit, in einer Monarchie. Althergebrachte Riten und Feste mit großer Symbolkraft werden nach den Unterdrückungen während der Kolonialzeit und während des Apartheid-Regimes heute wieder regelmäßig ausgeübt. Hierzu zählen vor allem der „Reed Dance“ und der „Shaka Day“. Der Shaka Day findet zu Ehren des legendären Königs der Zulu statt und kann als das größte Fest der Zulu angesehen werden. Beim Reed Dance hingegen ist der König zwar auch integriert, jedoch wird hier allein die symbolische Fruchtbarkeit jungfräulicher Zulumädchen gepriesen, welche früher dem König zur Verfügung stand. Heute prozessieren die Mädchen zu Tausenden mit erhobenen und langen Schilfstangen zum Königspalast und geben diese in der sogenannten Kralsresidenz ab. Aus den Stangen werden später neue Palisaden, Zäune u. ä. gebaut. Früher hatte das Fest noch den Charakter einer Brautschau für den König. Dieser Brauch ist jedoch nicht mehr aktuell.

Die „Xhosa“ in der modernen Zeit

Die Xhosa zählen, wie auch die Zulu, zu der Gruppe der Nguni (südliche Nguni) und teilen wie diese eine gemeinsame Sprache (isiXhosa) sowie kulturelle Gemeinsamkeiten. Xhosa waren nomadische Völker und wurden im 19. Jahrhundert gezwungen, eine Mischwirtschaft aus Ackerbau (v.a. Hirse und Mais) und Viehzucht (Großvieh) zu betreiben. Zusätzliche Erwerbsquellen brachten die Jagd und das Handwerk. Hierzu zählen vor allem die bekannten Schnitz- und Schmiedekünste, aber auch die Gerberei und Töpferei.

Durch den Einfluss der Missionierung und der Wanderarbeit bzw. Verstädterung, brach die traditionelle Gesellschaftsstruktur der Xhosa auf. Während in ländlichen Gebieten nach wie vor die Kleinfamilie herrschte, setzte sich in den Städten ein Familiensystem mit einer wirtschaftlich erfolgreichen Frau an deren Spitze durch, deren Mann und Söhne sich auf Wanderarbeit befinden.

Im Gegensatz zu den Zulu gelang es den Xhosa besser, Anschluss an die moderne Zeit zu finden. Sie nutzten die wenigen Bildungsmöglichkeiten, die es in Südafrika gab und stellen heute, gefolgt von den Sotho und Tswana, die schwarze Mittel- und Führungsschicht des Landes dar.

„Sotho“ und ihre Regenkönigin

Die Süd-Sotho, etwa 300.000 Menschen, leben hauptsächlich im Free State, an der Grenze zu Lesotho, einem unabhängigen Staat inmitten Südafrikas. Traditionellerweise tragen sie gewebte konische Hüte und farbenfrohe Decken. Die Sotho, die ihre Behausungen oftmals aus Stein erbauen, dekorieren ihre Hütten mit Steinmosaiken und intensiven Farbklecksen. Ihre Lebensweise kann man im Basotho Cultural Village nahe Harrismith, 30 km östlich des Golden Gate National Park, im Free State kennenlernen.

Die fast 2,8 Millionen Nord-Sotho leben nördlich von Tzaneen in der Limpopo Provinz. Sie sind bekannt für Ihre Legende der Modjadji, der “Regenkönigin”. Um mehr über diese mysthische Kultur zu erfahren, können Reisende den Bakone Malapa Kraal, eine traditionelle Nord-Sotho-Siedlung nahe Polokwane, besuchen.

Die „Ndebele“: Wandmalereien & Perlenkompositionen

Unter ihrem Führer Mizilikazi trennten sich die Ndebele (auch Matabele genannt) zu Beginn des 19. Jahrhunderts von den Nguni-Völkern und errichteten im Kampf gegen die Tswana und Sotho ein Land zwischen Zambesi und Limpopo. Das sogenannte “Matabele Reich“ entsprach im Wesentlichen dem heutigen Zimbabwe. Im Konflikt mit den Briten unterlagen sie diesen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Ihr Reich und ein großer Teil ihres Viehs gingen in die Hände der Weißen über. Südliche Ndebele Gruppen hatten sich daraufhin im damaligen Transvaal niedergelassen und sprechen vorwiegend die Sprache der Zulu. Heute stellen sie mehrheitlich Wanderarbeiter und Pendler für südafrikanische Industriekomplexe.

Die Ndebele sind in der westlichen Welt vor allem für ihre Wandmalereien und Gewänder aus Perlenkompositionen (nyoka) bekannt. Die Wandmalereien werden von Frauen geschaffen und sind Ausdruck ihrer Weltanschauung in einer Gesellschaft, in der sie aufgrund ihres Geschlechts als zweitrangig klassifiziert sind. Die Häuser der Ndebele werden mit bunten, geometrischen Ornamenten bemalt, welche durch eine schwarze Umrandung hervorgehoben werden. Die ornamentalen Kompositionen thematisieren Fruchtbarkeit, das Land und die Ordnung des Kosmos. Die Kunstform dieser Malerei existiert nicht viel länger als ein Jahrhundert und entstand kurz nachdem sie den Briten unterlagen und sich in anderen Landesregionen verteilen mussten. Ihre Wandmalereien stellten ein völlig neues identitätsstiftendes Element der nun verstreuten Gruppen dar und gelten als Zeichen kultureller Zugehörigkeit innerhalb einer fremden Umgebung.

Wie die Malereien werden auch die nyoka von Frauen hergestellt. Dabei werden die Muster der Wandornamentik auf die Perlenkompositionen übertragen. Nyoka bedeutet Schlange und verweist als Tier auf die Ahnen und die Fruchtbarkeit des Leibes. Die Perlengewänder repräsentieren in ihren unterschiedlichen Ausführungen die Reifestufen einer Frau, sowie ihre verschiedenen gesellschaftlichen Verantwortungen. Früher wurden sie täglich getragen, heute jedoch nur noch zu festlichen Anlässen.

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Quellen: (Arens, 1996: 101); (Haarmann, 2004/283); (Pabst, 2008/25); (Lindig, 1981:404); (Pabst, 2008: 31); (Bargna, 2008: 102-103); (Bargna, 2008: 101); (Giles, 1997/64-67, 78-81, 86-89, 98-101)